Jesus Gottes Sohn allwissend Gott Weltende Stunde des Gerichts weiß nicht kennt nicht

 

2.2. Ist Jesus allwissend? 

Abschließend zu der Unterschiedlichkeit in den Personen möchte ich kurz auf die Frage eingehen, ob Jesus überhaupt Gott ist, wenn er eigenen Angaben zufolge nicht allwissend ist. Denn er sagte: „Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater“ (Mt 24,36). 

 

Diese Frage fand ich sehr spannend. Christen begründen die Unwissenheit Jesu häufig damit, dass lediglich seine Menschheit die Stunde des Gerichts nicht kennen würde, seine Gottheit hingegen schon. Seine göttliche Allwissenheit verstecke sich sozusagen hinter seiner menschlichen Begrenztheit. Diese Auslegung ist meiner Meinung nach unzulässig, da Jesus klar und deutlich sagt, dass nicht einmal der Sohn, also seine Gottheit, den Zeitpunkt seiner Wiederkunft wisse. 

Das Evangelium, das Jesus uns gebracht hat, hatte er nicht aus sich selbst. Jesus bekannte uns, dass er uns das Wort weitergibt, welches er von seinem Vater gehört hat (vgl. Joh 14,10). Jemandem, der allwissend ist, muss man jedoch nichts mehr mitteilen, denn er weiß bereits alles. Er braucht nicht informiert zu werden. 

 

Hier einige Zitate, in denen Jesus uns verrät, dass er gänzlich von seinem Vater abhängig ist, von ihm die Worte gehört und die Werke gezeigt bekommen hat:

  

  • „Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn.“ (Joh 5,19) 
  • „Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut, und noch größere Werke wird er ihm zeigen, sodass ihr staunen werdet.“ (Joh 5,20) 
  • „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.“ (Joh 14,10) 
  • „Von mir selbst aus kann ich nichts tun; ich richte, wie ich es (vom Vater) höre“ (Joh 5,30) 

  

Ich fasse also zusammen: Dem Sohn Gottes fehlt es an drei göttlichen Eigenschaften: Er ist weder ursprungslos noch allwissend noch unabhängig. Denn der Sohn besitzt nichts aus sich selbst heraus. Er ist der vom Vater Beschenkte. Seine Existenz, was er ist und hat, verdankt er seinem himmlischen Vater. Und doch ist die zweite Person der Dreieinigkeit ebenfalls Gott und zwar aufgrund seiner Abstammung, nämlich durch Zeugung bzw. Geburt. 


Ähnlich verhält es sich mit dem Heiligen Geist, der dritten göttlichen Person der Dreieinigkeit. Auch Gott Heiliger Geist hat alles empfangen, und zwar von Gott Vater und Gott Sohn: 

  • „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört“ (Joh 16,13) 
  • „Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.“ (Joh 16,14) 

 

Die dritte göttliche Person der Dreieinigkeit ist ebenfalls Gott. Da Gott eins ist, haben wir es hier nicht mit mehreren Göttern zu tun, sondern mit einem Gott in drei Personen.

 

Zurück zu Jesus: Weil er Gott ist, ist der Sohn ebenso Schöpfer der Welt und ewig wie Gott Vater. So konnte Jesus seine Zeitgenossen mit der Aussage konfrontieren, den Engelsturz mitangesehen zu haben und schon vor Abraham ewig seiend gewesen zu sein:

  

  • „in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat;" (Hebr 1,2)
  • „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ (Joh 1,3)
  •  „Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.“ (Lk 10,18)
  •  „Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ (Joh 8,58) 

 

In der Offenbarung, im letzten Buch der Bibel, sagt der auferstandene Jesus zu Johannes: „Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.“ (Offb 1,8)

 

Gott Vater allein ist ursprungslos, allwissend und absolut unabhängig. Deshalb bekannte Jesus: „der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28). Das bedeutet also, der Vater ist nicht nur größer als der Menschensohn, was ohnehin logisch ist, sondern er ist auch größer als der Gottessohn. Jesus wies darauf hin, dass der Vater unser Ziel ist und er selbst der Weg zum Vater ist:



„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6)