Meine Motivation
Wünschen Sie sich, liebe Leser, eigentlich auch Erweckung? Oder können Sie dieses Wort vielleicht schon nicht mehr hören? Ich kann mich noch erinnern, wie eine Frau in einer Gebetsveranstaltung – es war in den 90er Jahren und ich vielleicht 14 Jahre alt – voller Unmut ausrief: „Wann kommt denn endlich Erweckung?!“ Vermutlich betete diese Frau schon mehrere Jahre dafür und wartete darauf, doch hatte sie bislang keine Ergebnisse gesehen. Nun bin ich, etwa 30 Jahre später, so alt wie diese Frau damals. Wünschen Sie sich eigentlich auch endlich Erweckung?
Meiner Meinung nach wird es eine Erweckung in Europa nicht ohne eine Erneuerung des Glaubens in den beiden etablierten Großkirchen geben. Ich will damit sagen, dass auch die Menschen mit dem rettenden Evangelium erreicht werden müssen, die sich bereits zu einer traditionellen Kirche zählen und über Jesus unterrichtet wurden.
Ein paar statistische Fakten bezogen auf Deutschland: Zur Evangelischen Kirche zählten im Jahr 2023 hochgerechnet 18,6 Mio. Menschen oder knapp 22 Prozent der Deutschen.[2] Die Katholiken stellten mit 20,3 Mio. 24 Prozent der deutschen Bevölkerung.[3] Trotz schwindender Mitgliederzahlen gehören immer noch knapp 46 Prozent der Deutschen einer dieser beiden christlichen Kirchen an.
Ebenso kann es eine Erweckung nur mit der Verkündigung des wahren Evangeliums geben, richtig? Es muss also das vollständige, ungekürzte und unverfälschte Evangelium den Menschen weitergegeben werden. Und genau hier liegt, wie ich erfahren musste, der Hund begraben.
Zu meiner Person: Ich wuchs in einem streng gläubig katholischen Elternhaus auf. Wir gingen regelmäßig sonntags (und darüber hinaus) in den Gottesdienst, verrichteten morgens, mittags und abends unsere täglichen Gebete und gingen sogar regelmäßig und oft beichten. Schon als kleines Mädchen hatte ich ein Herz für die Verlorenen und hatte schon früh angefangen, für meine Klassenkameraden zu beten. Ich war über die Existenz der Hölle von meinen Eltern unterrichtet worden und konnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als wenn jemand die Ewigkeit am falschen Ort verbringt. Obwohl ich bislang von vielen Gläubigen aus den Medien gehört habe, dass ihr Gottesbild von Angst vor einem strafenden Gott geprägt war, war dies bei mir nicht so. Ich wusste, dass Gott mich liebte und gut ist. Ich glaubte aber auch, dass es Himmel und Hölle gibt und dass die Hölle nicht leer ist – wie viele behaupten. Eines Tages, ich war inzwischen wohl schon im Teenageralter, betete ich, dass ich Menschen zu Jesus führen möchte. Da bekam ich als Antwort diesen Gedanken in meinen Kopf: „Du hast doch Jesus selber nicht. Wie willst du andere Menschen zu ihm führen? Kehr erst mal vor deiner eigenen Tür.“ Diese Aussage befremdete mich. Wieso hatte ich Jesus nicht, wo ich doch regelmäßig in die Kirche, zur Beichte und zur Heiligen Kommunion ging? Auf diese Frage bekam ich damals keine Antwort.
Einige Zeit später fanden in einem nahe gelegenen Kloster sogenannte „Feuergottesdienste“ statt. Meine Mutter ging mit einer Bekannten dorthin und lud mich beim zweiten oder dritten Mal ein, mitzukommen. Das war für mich der Beginn eines neu erlebten Glaubens. Bei diesen Veranstaltungen lernte ich Pastor John Rajiah aus Indien kennen, Gründer und Präsident von Eternal Word Ministries. Seine Lebenszeugnisse, zum Beispiel als er sich als Kind das Leben nehmen wollte und wie er von Gott berufen wurde, berührten mich zutiefst. Ebenso wurde Rainer Ewers, Leiter der Immanuel-Weinberg-Gemeinschaft und einfach nur Olli genannt, für mich zu meinem Glaubensvater. Seine Geschichte[4], wie er im Gefängnis Jesus begegnet ist, zeigte mir, dass Gott auch heute noch lebendig ist. Sogar Maria Prean, Gründerin und Leiterin des Kinderhilfswerks „Vision for Africa Intl“ durfte ich kennenlernen und ihre Vorträge prägten mich. Sie wurde meine Glaubensmutter. So sagte sie zum Beispiel: „Ich bin die Null, Jesus ist die Eins. Eins und Null ist Zehn.“ Auch Hans Gnann wurde mir zum Glaubensvorbild. Er leitete regelmäßig bei diesen Feuergottesdiensten den Lobpreis und erzählte u. a. sein Zeugnis, wie ein Engel Gottes ihm bei einer Afrikareise befahl: „Steig aus aus diesem Bus und steig in den nächsten ein.“ Dies rettete ihm das Leben, denn der Bus, in dem er zuvor gesessen hatte, verunglückte schwer. Ich habe noch den Satz von ihm im Ohr: „Wir müssen Täter des Wortes Gottes sein.“ Und noch andere Merksätze behielt ich aus dieser Zeit im Gedächtnis: „Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.“ oder „Wir müssen transparent sein, damit Jesus durch uns durchscheinen kann.“
In einer dieser Veranstaltungen in den 90ern durfte ich also das Evangelium sowie viele gute Predigten und Zeugnisse von Gottes Wirken hören und lernte Lobpreis als Gebetsform kennen. In der Turnhalle dieses Klosters übergab ich erstmals in einer bewussten persönlichen Entscheidung mein Leben Jesus. Als ich später studierte und meinen künftigen Mann Gerhard kennenlernte, war ich nicht mehr in einer erweckten Gruppe von Menschen integriert. Ich ging mit meinem Freund sonntags in den katholischen Gottesdienst und versuchte, das, was ich als Jugendliche geistlich empfangen hatte, in meinem Alltag zu leben. Ich hatte zum Beispiel das Sprachengebet, eine Gabe des Heiligen Geistes, empfangen und davon auch Gerhard erzählt. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Vielleicht würde er mich für verrückt erklären. Vielleicht würde er das Weite suchen. Doch ich ging dieses Risiko ein, da mir meine Beziehung zu Jesus wichtiger war. Tatsächlich fand mein Freund nichts Schlimmes dabei, dass ich, wenn wir zusammen beteten, zum Teil dabei in einer uns unverständlichen Sprache betete. Nach einiger Zeit fragte ich ihn, ob er dieses Geschenk Gottes auch bekommen wolle. Und so beteten wir darum, dass Gott ihm diese Gabe ebenfalls schenken möge. Es dauerte nicht lange, es war nach einem Sonntagsgottesdienst: Wir blieben noch ein wenig in der Kirche und beteten um das Sprachengebet. Da bekam es mein Freund auch!
Inzwischen waren wir verheiratet und hatten drei Kinder. Wir gingen regelmäßig sonntags in die Kirche. Gleichzeitig merkte ich auch, dass man den Glauben in dieser Kirche nicht an die Kinder weitergeben konnte. Die Predigten, die wir jeden Sonntag hörten, waren immer dieselben: Gott liebt dich, alles wird gut. Viele Christen haben diese Botschaft verstanden: Sie bleiben am Sonntag zu Hause und genießen einen freien Vormittag. Gott liebt sie – auch wenn sie Gott fernbleiben. Bei den Kindern und Jugendlichen ist die Lage genauso: Sie sehen keine Notwendigkeit, für diese Botschaft ihre freie Zeit zu opfern. Als Jesus mir im Jahr 2015 das Evangelium erklärte und es mir ins Herz legte, verstand ich, dass diese Kirche mit diesem falschen Evangelium nicht Jesus dient. Das Liegestuhlevangelium, wie ich es inzwischen nenne, ist kraftlos und ein Fake. Vielen Christen fehlt das Feuer des Heiligen Geistes, weil sie Sonntag für Sonntag mit einem verfälschten und verkürzten Evangelium „geimpft“ wurden. Sie haben im Gottesdienst nur die Botschaft gehört, dass sie von Gott geliebt sind. Sie wurden aber nie aufgefordert, auf diese Liebe zu antworten. Ihnen wurde nicht vermittelt, dass Gott ein lebendiger Gott ist, der auch heute noch spricht, Wunder tut und in das Leben von Menschen eingreift. Sie wurden nie eingeladen, diese Gnade, von der sie immer wieder hörten, auch für sich persönlich anzunehmen und ihr Leben Jesus Christus zu übergeben als ihrem Herrn. Diese „Impfung“ machte die Kirchenbesucher anscheinend schläfrig und immun für das wahre Evangelium. Viele glauben, dass alle Menschen in den Himmel kommen, weil Gott alle Menschen liebt. Es ist allerdings so, dass auch wir Gott lieben müssen, damit eine Beziehung zustande kommt.
Ein Jahr darauf, 2016 und kurz vor Pfingsten, wurde ich krank. Ich bekam eine Kehlkopfentzündung und konnte nicht mehr normal sprechen, nur noch flüstern. Nach einer Woche kam zwar meine Stimme langsam zurück. Ich hatte sie allerdings mit drei kleinen Kindern nicht schonen können, und nun war sie schwach und brüchig. Ich besuchte mehrere HNO-Ärzte. Doch alle beschwichtigten, dass es einfach mit der Genesung etwas länger dauere. Nach sechseinhalb Wochen bekam ich einen Termin in einer Fachklinik bei einem Chefarzt für HNO-Phoniatrie und Pädaudiologie. Diesmal konnte mittels einer Videostroboskopie eine Diagnose gestellt werden: Funktionelle Dysphonie lautete der Name meiner Stimmstörung, d.h. meine Stimmlippen schlossen nicht richtig, und ich erhielt eine Logopädie-Verordnung. Als ich wieder in meinem Auto saß, - ich war aus der Tiefgarage herausgefahren und hatte am Straßenrand geparkt, um zu beten – übergab ich Jesus diese Situation, die Diagnose und bat ihn um Heilung. Nachdem ich noch eine Nachricht mit meinem Smartphone geschrieben und eine Kleinigkeit gegessen und getrunken hatte, kurz bevor ich den Motor anlassen und wieder nach Hause fahren wollte, spürte ich, wie sich in meinem Hals etwas weitete und ich hörte mich selbst in einer bis dahin nicht mehr gekannten Lautstärke sprechen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Ich wiederholte diese Worte aus eigenem Antrieb und schließlich noch ein weiteres Mal etwas lauter. Da sich meine Stimme sehr kräftig anfühlte, stimmte ich den Refrain des Worship Songs „Zehntausend Gründe“ an. Ich war völlig aus dem Häuschen. Ich hatte Gott um Heilung gebeten, aber nie hätte ich damit gerechnet, hier und sofort im Auto geheilt zu werden. Mein nächster Gedanke war dann, was ich nun machen solle. Nach Hause fahren? Die Antwort schoss mir prompt in den Kopf: „Dann hätte Gott dich auch in zwei Wochen bei dem Gebetstreffen heilen können.“ Stimmt. Ich hatte mich nämlich zu einem Gebetsabend angemeldet, bei dem für Kranke gebetet werden sollte. Also doch wenden und zurückfahren. Ich ging wieder zu meinem behandelnden Arzt und wartete, bis ich drankam. Er war natürlich sehr verdutzt, als ich ihm von meiner Heilung erzählte und den Refrain „Komm und lobe den Herrn“ vorsang. Schließlich führte er erneut eine Videostroboskopie durch und bestätigte, dass sich die Stimmlippen jetzt normal schließen. Halleluja!
Für mich war dieses Wunder aber noch mehr als eine körperliche Heilung. Als ich einige Tage zuvor beim Bügeln war, hörte ich nebenbei eine Sendung der Reihe „ERF Mensch Gott“ an. In dieser Sendung ging es darum, wie der Fußballprofi Vladimir Alejo geheilt werden wollte und einen Deal mit Gott machte. Ich ging in mich und betete: „Herr, ich kann dir nichts versprechen, so wie dieser Sportler. Aber wenn du mich nicht heilst, kann ich dein Evangelium nicht verkündigen.“ Gott hatte mir nun meine Stimme zurückgegeben. Das bedeutete für mich: Mit dieser Stimme kann, darf und soll ich nun sein Evangelium verkündigen!
[2] Carsten, Splitt: Mitgliederzahl und Kirchensteueraufkommen 2023 niedriger als im Vorjahr, https://www.ekd.de/ekd-veroeffentlicht-mitgliederzahlen-2023-83806.htm#:~:text=Nach%20den%20aktuellen%20Berechnungen%20auf,in%20Deutschland%20(EKD)%20an, EKD (Hrsg.) (abgerufen am 26.09.2024).
[3] Dbk (Hrsg.): Katholiken weltweit und in Deutschland, https://www.dbk.de/katholische-kirche/katholiken#:~:text=Weltweit%20gibt%20es%201%2C4,Anteil%20der%20Konfessionslosen%20deutlich%20erh%C3%B6ht (abgerufen am 26.09.2024).
[4] Rainer, Ewers: Die Olli-Story, http://die-schells.de/docs/Ollis%20Story.pdf (abgerufen am 17.11.2024).