Gerecht durch Gnade oder Werke? 


3.  Der Heilige Geist und das Fruchtbringen

Die Amtskirchen feiern als größtes Kirchenfest im Jahr Ostern, die Auferstehung Jesu, dann Jesu Geburt an Weihnachten und danach erst Pfingsten, die Ausgießung des Heiligen Geistes. Von allen dreien wird Pfingsten am wenigsten feierlich begangen und die meisten können ihm kaum eine Bedeutung für ihr Leben beimessen. Das ist wirklich schade!

Denn ohne das Wirken des Heiligen Geistes sind wir immer noch im Tod, sind die Haustüren der Jünger immer noch verschlossen (vgl. Joh 20,26), bringen wir immer noch geistlich gesehen keine Frucht und haben deshalb immer noch kein ewiges Leben! Ohne die Kraft des Pfingstfeuers in unserem Leben ist das Erlösungsopfer Jesu für uns vergebens erbracht worden. Jesus ist zwar gestorben und von den Toten auferstanden, aber seine Kirche ist noch im Tod! Jesus lebt – aber wir Christen noch nicht!

Pfingsten sollte deshalb das größte Fest im Kirchenjahr sein! Der Heilige Geist ist die Auferstehungskraft Jesu in uns, damit auch wir von unserem Tod auferstehen. Die Wiedergeburt ist, wie im Kapitel zur Taufe bereits ausgeführt, etwas Geistiges. Sie ist das Werk Jesu und des Heiligen Geistes: Wir wurden aus der göttlichen Natur Jesu, dem Wasser, und aus der dritten göttlichen Person, dem Heiligen Geist, aus Gott neu geboren:

 

  • „Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem[15] geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh 3,3)
  • „Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Joh 3,5)
  • „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die […] aus Gott geboren sind.“ (Joh 1,12f.)


Jesu Blut wäscht unsere Sünden ab, aus seinem geöffneten Herzen wird die Kirche geboren: Das Wasser aus seiner Seitenwunde und der Geist Gottes schenken neues Leben!

Wenn Christen aus der traditionellen Amtskirche von „Wiedergeburt“ hören, denken sie spontan an buddhistische Lehren, aber nicht an Jesu Worte. Das muss sich unbedingt ändern! Denn ohne neu geboren zu sein, haben wir kein ewiges Leben bei Gott!

 

Unsere eigene Verantwortung

Erschütternd war für mich die Erkenntnis, dass Jesus uns durch seinen Opfertod am Kreuz „lediglich“ die Erlösung zu Füßen gelegt hat. Jetzt sind wir von der Knechtschaft der Sünde befreit und können endlich heilig werden. Gott hat es in unsere Hand gelegt, inwieweit das Erlösungswerk Jesu Frucht bringt, also Erfolg hat. Jesu Werk ist vollbracht, unser Sendungsauftrag beginnt. Es ist unsere Aufgabe, in Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist das Erlösungswerk in uns zu vollenden. Wenn ich mich nicht investiere, wenn ich Jesus nicht nachfolge, wenn ich mich Gott nicht zur Verfügung stelle und mein Leben Gott nicht ehrt, dann war alles umsonst, was Jesus für mich getan hat.

 

Jesu Lehre vom Fruchtbringen

 Die guten Werke sind laut Paulus die Früchte, die wir als Erlöste bringen sollen: „Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes“ (Kol 1,10). Wir wollen uns ein paar Sätze in Erinnerung rufen, die Jesus über die Notwendigkeit des Fruchtbringens gesagt hat:

  • „Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.“ (Joh 15,8)
  • „Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2).
  • Das Gleichnis vom Feigenbaum: „Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.“ (Lk 13,8 f.)


Das heißt doch: Es gibt Reben an Jesus, die keine Frucht bringen. Es gibt Christen, die Jesus nicht nachfolgen, sich nicht selbst verleugnen und keine Glaubensschritte gehen. Sie suchen nicht die Nähe Gottes, führen kein Gebetsleben, haben keinen Hunger nach Gottes Wort und sind in Wahrheit gar nicht mit Jesus verbunden. Letztlich leben sie die Taufe nicht. Solche Menschen sind in geistiger Weise nicht mit Christus gestorben und mit ihm auch nicht von ihrem Tod auferstanden. Sie wurden also gar nicht wiedergeboren und haben deshalb auch kein ewiges Leben.

 

 

Jesus sagte: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,31 f.). Zu was soll uns die Wahrheit befreien, wenn nicht zur Heiligkeit? Jesus hat Sie von der Knechtschaft der Sünde befreit, damit Sie für ihn ein heiliges Leben führen und Gott gehören. „Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott“ (Eph 1,4). Wichtig ist mir hier noch anzumerken, dass es Jesus bei den guten Werken lediglich darum geht, dass wir Schritte gehen. Dies können bisweilen auch kleine Schritte sein. Hauptsache, wir bewegen uns. Wir brauchen den Willen, uns von Jesus und seinem Geist verändern zu lassen. Hin und wieder mag es rückwärtsgehen. Das stellt für Gott kein Problem dar. Hauptsache, wir kehren, nachdem wir den Fehler bemerkt haben, wieder um und kämpfen den guten Kampf des Glaubens weiter. Ab und an fallen wir vielleicht. Auch das ist für Gott nicht weiter tragisch. Dann sollen wir wieder aufstehen und den Fokus auf Jesus und sein Wort richten. Hauptsache, wir wollen mit Jesus gehen – nicht mit Jesus stehen! Hauptsache, wir stehen aus unserem Liegestuhl auf, in dem wir oft nur allzu gerne liegen, um uns in Gottes Liebe zu sonnen. Das schön anmutende „Liegestuhlevangelium“, das ich in den letzten Jahren leider viel zu oft gehört habe, stammt nicht von Jesus, sondern von seinem Widersacher, um uns zu täuschen und zu berauben.

Braucht es nun gute Werke, um gerettet zu werden? Sind gute Werke heilsnotwendig? In gewisser Weise ja und in gewisser Weise nein. Guter Werke bedarf es nicht, um gerettet zu werden. Als Christen müssen wir zu hundert Prozent auf dem Fundament Jesu Christi, das heißt auf seiner Gerechtigkeit, stehen. Gute Werke sind jedoch nötig, um als Erlöste gerettet zu bleiben. Unsere Berufung ist es, Jesus immer ähnlicher zu werden – freilich niemals aus eigener Kraft. Dafür empfangen die Jünger den Heiligen Geist, ihren Heiligmacher. Deshalb ist es so wichtig, sich eng an Jesus anzuschließen, um mit ihm verbunden zu bleiben. Denn „getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5), begründet Jesus das Gleichnis mit dem Weinstock und den Reben. Den lebensspendenden Saft, den die Reben benötigen, um überhaupt Früchte entwickeln zu können, empfangen sie vom Weinstock. In den Kapiteln „Die Hochzeit des Lammes“ sowie „Maria und du“ wird der Zusammenhang von Gnade und Werken weiter vertieft.

 

Unser Bekenntnis nach außen

 Im bekannten Kirchenlied „Komm, Schöpfer Geist“ heißt es: „Geschenk, vom Vater zugesagt, du, der die Zungen reden macht“. Ohne den Heiligen Geist ist es nicht möglich, von Jesus Zeugnis zu geben und sich zu ihm zu bekennen. Ohne unser Bekenntnis zu Jesus ist unser Glaube nicht echt und nutzlos: „Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen“ (Mt 10,32 f.).

 

Das Feuer des Heiligen Geistes

Wir erinnern uns an die sechste der 95 Neuen Thesen der Reformation[16], in der es heißt, dass Liebe und Leidenschaft die wichtigsten Eigenschaften der Kirche als Braut Christi sind. Jesus selbst ist der Brandstifter für dieses Feuer der Begeisterung und Hingabe:

  • „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49)
  • „Er [Jesus] wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Mt 3,11)
  • „Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden.“ (Mk 9,49)
  • „denn unser Gott ist verzehrendes Feuer.“ (Hebr 12,29)


Doch auch als Christen sind wir aufgerufen, uns entzünden zu lassen. Unsere Mitwirkung ist gefragt. Wir sollen uns dem Heiligen Geist aussetzen. Wir sollen um ihn beten und um sein Wirken in unserem Leben bitten:

  • „Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!“ (Röm 12,11)
  • „Legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten […] und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!“ (Lk 12,35-37)


Das heißt mit anderen Worten: Legt euch in eurem Glaubensleben nicht zum Schlafen nieder, sondern seid wachsam, indem ihr betet, Gott liebt und seinen Willen tut. Ohne dieses Feuer sind wir weder Salz noch Licht für die Welt! Das Feuer des Heiligen Geistes ist ein Verkündigungsfeuer. Es wurde uns gegeben, um den Menschen Jesus bekannt zu machen. Wenn wir unser Glaubensleben geistlich gesehen aber im Liegestuhl beziehungsweise auf der Couch zubringen, erlischt das Verkündigungsfeuer nach und nach. Wie verkündigt man Jesus als Christ? Sowohl mit Worten, als auch durch das gelebte Beispiel im Alltag. 

An dieser Stelle fällt mir das Zitat von Todd White ein, einem amerikanischen Evangelisten und Gründer von Lifestyle Christianity. Er sagte einmal auf Englisch: „Jede evangelische Botschaft, die zwar Gnade beinhaltet, aber keine radikale Umgestaltung fördert, hat eine dämonische Natur.“[17]

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Gebet:

Komm, Heiliger Geist, und wirke in mir! Lass mich als neuer Mensch so leben wie es dir gefällt!

Und noch etwas „gefährlicher“: Herr, mach mit mir, was du willst, reduziere mich auf null. Aber verherrliche deinen Namen in meinem Leben, setz mich zum Segen und schenke mir die Fülle der Freude und des Heiligen Geistes! Amen. [18]



[15] Der griechische Ausdruck ist laut Einheitsübersetzung doppeldeutig: Er kann mit von oben geboren bzw. gezeugt oder mit von neuem geboren bzw. gezeugt übersetzt werden. Nikodemus versteht es im letzteren Sinne als einer erneuten körperlichen Geburt.
[16] Markus, Till: Die 95 neuen Thesen für die Reformation der Kirche, https://blog.aigg.de/?p=2305, AiGG (abgerufen am 28.09.2024).
[17] Todd, White: Missbrauchte Gnade, https://www.youtube.com/watch?v=Ck1dCdOmNJ4, Jesus Crew (abgerufen am 15.11.2024).
[18] In Anlehnung an ein Gebet von Maria Prean-Bruni.