Der Vater sucht Anbeter

(Joh 4,24)

 



Zu Beginn dieses Kapitels stelle ich gleich mal eine provokante Frage:




Was haben Gott und Teufel gemeinsam? 


(Bitte kurz überlegen, erst dann weiterlesen.)






 

 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass beiden nichts gemeinsam ist. Der eine ist vollkommen gut, der andere böse. Der eine ist der ewige Schöpfergott, der andere ein Geschöpf. Und doch habe ich einige Aspekte gefunden, die sie miteinander teilen:

Beide sind real. Über beide „spricht man nicht“. Beide kämpfen um Seelen. Beide suchen Anbeter. Jesus sagte einst zu der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen:

 

„Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden“ (Joh 4,23). In der Elberfelder Bibel ist folgende Übersetzung zu finden: „denn auch der Vater sucht solche [wahren Beter] als seine Anbeter“ (Joh 4,23 ELB).

 

Bei einem Lobpreisgottesdienst in den 90er Jahren, an dem ich teilnahm, sangen wir einmal das Lied „Komm, Heilger Geist, leite mich“ von Stephan und Ally Bärnreuther. Die letzte Strophe schließt mit der Aussage: „Ich will dein Anbeter sein“. Da fragte der Gitarrist die Gläubigen, ob sie auch ein Anbeter sein möchten. Also nicht jemand, der Gott ab und zu mal anbetet, sondern dessen Wesen es ist, Gott beständig anzubeten. 

 

 

Ich möchte über drei Frauen sprechen, die Jesus in besonderer Weise heraushob. Es ist biblisch unsicher, ob es sich bei diesen dreien um ein und dieselbe Person handelte. Ich werde sie daher getrennt voneinander betrachten. Allen ist gemeinsam, dass sie Anbeterinnen Jesu waren. Im Folgenden möchte ich sie erst einmal kurz vorstellen.

 

  • Namentlich nicht genannte Sünderin: Sie salbte Jesus im Haus des Pharisäers Simon vor aller Augen die Füße und zeigte damit öffentlich ihre Umkehr (Lk 7,36-50).
  • Maria von Bethanien, Zuhörerin und Anbeterin Jesu: Sie war die Schwester von Marta und Lazarus und wohnte in der Nähe von Jerusalem. Was sie mit der Sünderin im Lukasevangelium verbindet, ist, dass sie ebenso die Füße Jesu ehrte und sich selbst demütigte. So heißt es von ihr: „Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu“ (Lukas 10,39). Und auch sie salbte Jesu Füße. So drückte sie ihren Dank und ihre Anbetung aus. Denn die Fußsalbung fand statt, nachdem Jesus ihren verstorbenen und schon bereits verwesenden Bruder Lazarus auferweckt hatte (vgl. Joh 12,1-11).
  • Maria von Magdala, vom Glauben zum Schauen: Sie war von sieben Dämonen besessen (vgl. Lk 8,2) und begleitete zusammen mit der Mutter Jesu und einigen anderen Frauen Jesus auf seinem Kreuzweg (vgl. Joh 19,25). Am Ostersonntag durfte sie nach den Evangelien als Erste Jesus sehen.