Dein Wille geschehe
„Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ (Mt 26,39)
Als Christen nehmen wir uns Christus zum Vorbild. Wie war bei ihm das Verhältnis zwischen Gottes- und Nächstenliebe ausgeprägt? Dazu möchte ich das Ende seines irdischen Lebens betrachten.
Jedes Jahr feierten die Israeliten am Paschafest ihren Auszug aus Ägypten. Bei seinem letzten Abendmahl sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen“ (Lk 22,15). Die Juden feierten Pascha jedes Jahr. Jesus meinte aber nicht das alljährliche Paschafest, sondern dieses eine, bei dem die Erlösung tatsächlich vollzogen wird und nicht nur in einem Sinnbild des Auszugs aus der Sklaverei. Hier spricht die göttliche Liebe des Erlösers. Er bringt damit zum Ausdruck, wie groß seine Sehnsucht ist, uns zu erlösen.
Ein paar Stunden später war Jesus am Ölberg. Er war allein, seine Freunde schliefen und er hatte Todesangst. Er hatte so große Angst, dass er sogar Blut schwitzte. „Und er ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39). Er ging zu den Jüngern, weckte sie auf und bat, sie mögen mit ihm beten. „Dann ging er zum zweiten Mal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille“ (Mt 26,42).
Jesus war ganz Gott und ganz Mensch. Seine göttliche Natur sehnte sich danach, sich für uns hinzugeben. Seine menschliche Natur aber wollte nicht leiden und sterben. Hier entbrannte ein Kampf um unsere Erlösung. Danke Jesus, dass du ihn gewonnen hast! Wir lesen hier aber nicht, dass Jesus gesagt hätte: „Meine große Liebe zu den Menschen drängt mich, mein Leben hinzugeben.“ Nein, es war die Gottesliebe, die Jesus die Kraft gab, das zu tun, was er nicht wollte. Hätte der Mensch Jesus sterben wollen, dann stünde nicht in der Heiligen Schrift: „er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8). Gehorchen muss man bekanntlich nur, wenn man etwas tut, was man nicht will. „Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt“ (Hebr 5,8). Damit bekommt die Vaterunser-Bitte „dein Wille geschehe“ eine ganz neue Perspektive: Sie war der Grundstein unserer Erlösung.