Gottes- und Nächstenliebe Doppelgebot der Liebe Kinder Gottes Geben des Zehnten Spenden Geld

2. Der zweite Schritt: Gott lieben

„Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.“ (Mt 22,36-38)

 

Wer nun ein Kind Gottes geworden ist, hat den Geist der Liebe empfangen, der es zur göttlichen Liebe befähigt. Wenn wir Gottes Liebe, also die Erlösung durch Jesu Blut, zu uns angenommen haben, ist es nur natürlich, dass wir Gott von ganzem Herzen lieben (sollen). Das ist deshalb der zweite Schritt. Meine lieben Leser: Warum haben wir das Gebot der Gottesliebe so oft überlesen und geglaubt, Christentum wäre in erster Linie eine Religion der Nächstenliebe? Vielleicht, weil wir Gott nicht sehen können, unseren Nächsten hingegen schon? Vielleicht, weil wir Gottes Stimme meist nicht hören oder überhören? Vielleicht wegen verschiedener Bibelstellen, in denen uns Jesus die Nächstenliebe ans Herz legt, wie zum Beispiel beim Gleichnis vom barmherzigen Samariter? Oder weil Jesus gesagt hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40)?

In der katholischen Kirche wurde die Gottesliebe meiner Ansicht nach vielfach unter den Tisch gekehrt. Damit fehlt dem Christentum aber das Wesentliche, nämlich die Gottesbeziehung. Gott ist der Höchste! Gott ist der Schöpfer des Lebens und die Liebe in Person. Von ihm kommt alle Liebe und alles Leben. Ihn müssen wir zuallererst lieben. Und zwar mit unserem ganzen Sein! Außerdem ist Jesus unser himmlischer Bräutigam. Mit ihm werden wir im Himmel Hochzeit feiern. Wie können wir ihn da nicht lieben?

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums wurden 95 Neue Thesen für die Reformation der Kirche aufgestellt. Als ich einmal zufällig auf diese Neuen Thesen gestoßen bin, las ich als Erstes die sechste These: „Als Braut Christi ist Liebe und Leidenschaft für Jesus die wichtigste Eigenschaft der Kirche!“[10]

 

Unser Gott ist ein personaler Gott. Er verdient es, nicht nur indirekt in unserem Nächsten geliebt zu werden, in dem er zwar aufgrund seiner Allgegenwart auch wohnt und sich mit jedem Menschen sogar identifiziert, sondern er verdient auch unsere unmittelbare Liebe. Dieser Gott, der uns für eine Liebesbeziehung mit sich erschaffen hat, ist es wert, für sich allein geliebt zu werden, und das mit unserer ganzen Kraft.

 

Man darf nicht die Worte übergehen, dass es eine Reihenfolge im Gebot der Liebe gibt. Jesus sagt, dass das Gebot der Gottesliebe das wichtigste und erste Gebot ist. Zuerst kommt die Gottesliebe, dann die Selbst- und Nächstenliebe! Die richtige Reihenfolge ist von überaus großer Bedeutung! Denn Gott ist unser Schöpfer, ja, er hat uns sogar zweimal erschaffen. Denn durch die Taufe sind wir eine neue Schöpfung geworden. Gott kommt auf den ersten Platz. Ich habe vor knapp 30 Jahren einmal eine Predigt gehört, deren Kernaussage ich heute noch weiß. Sie lautete: Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt. Diesen Satz kann man sich – wie ich finde – gut merken, oder?

 

Die Liebe fließt von oben nach unten, denn die Liebe kommt von Gott. Klammern wir unseren Schöpfer nicht aus unserem Leben aus, sondern suchen wir eine persönliche und lebendige Beziehung zu ihm. Jesus sagt: „wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh 14,21)

 

Aber wie liebt man einen Gott, den man mit seinen Sinnen in der Regel weder hören noch sehen kann? In gewisser Weise ähnlich, wie man einen Menschen lieben würde: Man verbringt Zeit mit ihm. Zeit im Gebet, um mit ihm zu sprechen, Zeit im Lesen der Bibel, um Gott zu uns sprechen zu lassen, Zeit im Singen von Dank- und Lobliedern, Zeit im Gottesdienst, um Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben, Zeit im Hören von guten Predigten, um im Glauben zu wachsen. Eine andere Möglichkeit, Gott zu lieben, ist, wenn wir seinen Willen in unserem Leben umsetzen: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh 14,21). 

 

Das Gebot für die Israeliten, den zehnten Teil ihres Besitzes Gott zu geben, erteilte er ihnen ab dem Zeitpunkt, da das Volk in das gelobte Land hineinzog (vgl. 5. Mo 12,10-11). Der Zehnte war also eine praktische Antwort des Beschenkten an den Geber aller Gaben. Gott möchte, dass wir den Segen, den wir empfangen haben, weitergeben. Zu Abram sagte Gott: „Ich werde dich […] segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein“ (1. Mo 12,2).

Im Buch Maleachi warf Gott dem Volk Israel Betrug vor. „Darf der Mensch Gott berauben? Denn ihr beraubt mich. Doch ihr sagt: Wobei berauben wir dich? - Bei dem Zehnten und bei der Abgabe! Dem Fluch seid ihr verfallen, doch ihr beraubt mich weiter, ihr, das ganze Volk. Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist! Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte“ (Mal 3,8-10). Auch Jesus sprach zu den Juden über den Zehnten: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Recht, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen“ (Mt 23,23).

Ich möchte an dieser Stelle keine Abhandlung darüber schreiben, ob für Christen das mosaische Gesetz noch immer gilt und sie ebenfalls ihren Zehnten geben sollen. Werfen wir doch lieber mal einen Blick in das Neue Testament. Es gibt uns einige Hinweise zum Umgang mit Geld, welches in der Bibel auch als Mammon bezeichnet wird:

 

  • „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ (Mt 6,24)
  • „Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht!“ (Lk 16,9)
  • „Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.“ (2. Kor 9,6 f.)
  • „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33)

 

Wer auf die Sicherheit des Geldes vertraut, der büßt Gottvertrauen ein. Wer sein Herz an irdischen Besitz hängt, kann es nicht zugleich an Gott hängen. Zugegeben, mir fiel es aus verschiedenen Gründen schwer, die Gewohnheit des Gebens einzuüben. Ich hatte von Kindheit an gelernt, mit Geld sparsam umzugehen. Gleichzeitig verfügte ich lange Zeit über kein eigenes Einkommen. Als ich schließlich verheiratet und Mutter von drei Kindern war, hatte ich wiederum meist kein eigenes Budget. Meinem Mann war Geld aus verständlichen Gründen äußerst wichtig, und als Alleinverdiener war er unser Versorger. Zudem hatten wir ein Darlehen abzuzahlen. Unsere Beziehung zum Geld war alles andere als entspannt. Gleichzeitig hatte ich schon einige Lebenszeugnisse von Menschen gehört, die durch das Geben ihres Zehnten reich gesegnet wurden. Wir lasen ein Buch darüber und tasteten uns ein wenig voran. Wir richteten einen kleinen Dauerauftrag ein, der uns nicht besonders wehtat. Im Laufe der Jahre kam immer wieder ein kleiner Dauerauftrag dazu, von dem wir überzeugt waren, dass wir damit Reich Gottes auf Erden bauen würden. An einem Sonntag im Jahr 2018 hörten wir in einer Gemeinde eine Predigt über ein Kinderhilfswerk. Mit einem kleinen monatlichen Betrag kann man dadurch einem Kind das Besuchen einer Schule und die Unterbringung in einem Kinderheim mit medizinischer Versorgung ermöglichen. Und nicht nur das: Es erfährt darüber hinaus, wer Jesus Christus ist. Es lernt Jesus als seinen Retter kennen und betet auch im Gegenzug für dich und deine Familie. Jesus verspricht: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf“ (Mk 9,37). Ich stehe immer noch in regelmäßigem Briefwechsel mit meinem Patenkind und darf erleben, wie es sich entwickelt und im Glauben stark wird. In einem seiner Briefe schrieb mir der damals 14-jährige Junge, dass er gelernt hat, dass er seine Identität in Jesus Christus hat.

Ich kann jeden nur ermutigen, im Bereich des Gebens Schritte zu gehen. Da unser menschliches Herz immer auch ein Stück weit am Geld hängen wird, da es für uns scheinbare Sicherheit bedeutet, werden wir, wenn wir unser Geld in die Anliegen Gottes investieren, unser Herz automatisch an Gott hängen. Dabei sind kleine Schritte besser, wenn wir sie von Herzen und frohem Sinn gehen können!

 

„Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.“ (Spr 19,17 LUT)


[10] Markus, Till: Die 95 neuen Thesen für die Reformation der Kirche, https://blog.aigg.de/?p=2305, AiGG (abgerufen am 28.09.2024).