Maria und du...

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Maria verkörpert die Kirche und führt sie an. Viele Glaubensgeheimnisse, die sich auf Maria beziehen, treffen auch auf erlöste Christen zu.

 

1.    Maria, Jesu Mutter – du auch

Als kleines Mädchen war ich sehr traurig, weil ich die engste Beziehung zu Jesus haben wollte, die ein Mensch haben kann. Ich wollte so nah wie möglich bei Jesus sein und war der Meinung, dass seine Mutter wohl die beste Beziehung zu Jesus haben würde. Aber diesen Platz, das erkannte ich schnell, konnte ich niemals einnehmen. Diese Rolle war, wie bei einem Theaterstück, schon vergeben. Viele Jahre später zeigte mir der Herr eine Stelle aus der Bibel, aus der eindeutig hervorgeht, dass ich für Jesus auch wie seine Mutter bin: „Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ (Mt 12,50).

 

2.    Maria, von Gott erlöst – du auch

Als Maria ihre Cousine Elisabet besuchte, nennt sie Gott ihren Retter: „Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“ (Lk 1,46 f.) Über Maria gibt es verschiedene Meinungen. Einige Stimmen sagen, sie sei eine Sünderin gewesen wie alle Menschen. Andere verehren sie wie einen Übermenschen. Letzten Endes ist es gar nicht so wichtig, ob wir Maria und ihre Rolle im Heilsplan richtig einschätzen. Wichtig ist vielmehr, ob wir selbst zu Jesus gehören und gerettet sind. Deshalb können Sie gerne die nächsten Zeilen überspringen, wenn Sie feststellen, dass ich zu Maria eine andere Meinung vertrete, als Sie es tun.

Eines steht fest: Im Himmel ist Maria hochgeschätzt. Ihre Aufgabe im Heilsplan war sehr wichtig – aber auch jeder von uns hat eine wichtige Aufgabe im Heilsplan. Ich glaube, Maria wurde durch Jesu Kreuzestod erlöst, allerdings in besonderer Weise. Sie ist die Ersterlöste, da Gott sie vor der Erbsünde bewahrte – aus reiner Gnade und weil er es so wollte. Während wir, die wir an Jesus glauben, quasi aus dem Brunnen gezogen wurden, in den wir alle bei der Zeugung hineingefallen sind, wurde Maria davor bewahrt, überhaupt in den „Brunnen zu fallen“. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Es gibt unterschiedliche Arten von Wunder. Die einen werden geheilt, nachdem sie eine schwere Krankheit bekamen oder einen Unfall hatten, andere werden vor einem Unfall oder seinen Folgen bewahrt. Lassen Sie es mich noch anders erklären: Als Jesus durch Palästina zog, heilte er viele Kranke. Wie konnte er das tun, obwohl er noch nicht für sie gelitten hatte und gestorben war. Schließlich heißt es in der Heiligen Schrift: „durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,5). Wir sehen, dass Jesus den Menschen bereits Anteil an der Erlösung schenken konnte, obwohl sie noch nicht vollzogen war. So konnte er auch Maria vor der Erbsünde bewahren. Aber warum wurde sie bewahrt? Es gab einen Grund, der die Bewahrung vor der Erbschuld zwingend erforderlich machte: Maria sollte die Braut des Heiligen Geistes werden.

 

 

  • „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35)
  • „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.“ (Mt 1,20)

 

In dem Kapitel „Die Hochzeit des Lammes“ erwähnte ich bereits, wie sehr mich dieses Glaubensgeheimnis fasziniert, Braut Christi sein zu dürfen und im Himmel mit Jesus Hochzeit zu feiern! Aber warum muss ich so lange auf die Hochzeit mit Jesus warten? Ich bin ihm doch versprochen und mit Jesus bereits verlobt. Warum muss ich und müssen Sie warten, bis wir gestorben sind? Paulus erklärt dies folgendermaßen: „Wenn Christus in euch lebt, dann ist zwar euer Körper wegen der Sünde noch dem Tod ausgeliefert. Doch Gottes Geist schenkt euch ein neues Leben, weil Gott euch angenommen hat“ (Röm 8,10 HFA). Unser Körper ist Träger der Erbsünde. Deshalb können wir erst, wenn wir ganz der Sünde gestorben sind, mit Jesus eins werden. Denn Gott kann sich nicht mit einem Sünder vermählen. Ein Sünder kann nicht Braut Gottes sein!

Zurück zu Maria: Sie war ausersehen, mit dem Heiligen Geist zusammen Jesus zu zeugen und wurde deshalb die Braut des Heiligen Geistes. Sie wurde mit dem Heiligen Geist vereint – und das schon zu Lebzeiten! Da Gott ein Gott des Bundes ist, wurde Maria schon hier auf Erden mit dem Heiligen Geist vermählt. Sie konnte nur deshalb vom Heiligen Geist schwanger werden, weil sie frei von Sünde war!

Damit Gott sie aber vor dem Makel der Erbsünde bewahren konnte, musste Jesus auch für seine Mutter sterben. Erst durch seinen Tod am Kreuz hat er die Erbsünde ausgelöscht. Da Maria bewahrt wurde, wurde sie in vollkommener Weise erlöst. Auch wir, die wir an Jesus glauben, wurden erlöst, allerdings im Nachhinein.

3.    Maria, erlöste Miterlöserin – du auch

Den Titel Miterlöserin trägt Maria in der katholischen Kirche schon seit mehreren Jahrhunderten. Er ist aber noch nicht als Dogma ausgerufen worden. Vermutlich will man Spaltungen vermeiden. Andererseits könnte man durch das Dogma „Maria – Miterlöserin“ eine Irrlehre in der katholischen Kirche aus dem Weg räumen, nämlich die, dass Jesus uns allein durch seinen Opfertod derart erlöst hat, so dass wir nichts mehr zu unserer Erlösung als Erlöste beitragen müssten. Wir müssen endlich verstehen, dass Gott die Erlösung nicht ohne uns vollzieht. Die Schaffung des neuen Menschen nach dem Ebenbild Gottes ist sozusagen Teamwork. Für den Prozess der Heiligung wartet Gott auf unser tägliches „Jawort“. Gott tut, was nur Gott tun kann: Er befreit uns von unserer Schuld und unserer sündigen Natur. Aber wir müssen als Erlöste das tun, was wir tun können: Gott zum Zentrum unseres Lebens machen und ihm die Führung unseres Lebens überlassen. Dies geschieht durch viele tausend Alltagsschritte, wie zum Beispiel:

 

  • Im Gebet die Gemeinschaft mit Gott suchen
  • Im Gebet sich an den Heiligen Geist wenden und ihm erlauben, ja ihn bitten, dass er einen verändert und immer wieder unser Herz reinigt
  • In der Bibel, dem Wort Gottes, lesen und darüber nachdenken
  • In den Gottesdienst gehen und die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen
  • Anbetung und Lobpreis
  • Vergebung und Barmherzigkeit
  • Für die Anliegen Gottes den Zehnten (zehn Prozent des verfügbaren Einkommens) geben oder sich an diesen herantasten
  • Großzügigkeit leben
  • die Gebote Gottes halten wollen, indem man Gott und den Nächsten liebt
  • ein tugendhaftes Leben führen, bei dem wir den Charakter Jesu immer mehr widerspiegeln: sich um Liebe, Demut, Bescheidenheit, Güte, Geduld, Gehorsam etc. bemühen.


Maria war sicherlich in einzigartiger Weise am Heilsplan Gottes beteiligt. Gott konnte nicht Mensch werden ohne ihr Jawort. Bestimmt war ihre Rolle als neue Eva sehr wichtig. Aber auch wiedergeborene Christen sind berufen, andere Menschen zum Heil, nämlich zu Christus, zu führen und wirken somit ebenso als Miterlöser! Wir können an der Erlösung aber nur mitwirken, wenn wir selbst erlöst sind!


Es geht also darum,

als Erlöste
im richtigen Geist
das Richtige zu tun.

 

Bei diesen drei Punkten ist jeder Aspekt unerlässlich, ebenso die Reihenfolge. Zuerst müssen wir von Jesus erlöst sein. Als Zweites sollen wir unser Augenmerk auf Christus und seinen Heiligen Geist richten. Denn ohne mit Gott verbunden zu sein können wir nichts im Reich Gottes ausrichten – ähnlich wie man Modem und WLAN-Router braucht, um drahtlos im Internet zu agieren. Die richtige Herzenshaltung ist entscheidend, ob vor dem, was wir tun, letztendlich ein Minus oder ein Plus steht. Und schließlich geht es um unser Handeln, das Gott bestimmen möchte, so dass wir Gottes Willen ausführen und somit das Richtige tun.

Vor einigen Jahren las ich in einem Buch einen verblüffenden Satz: Jeder Mensch muss zweimal erlöst werden: zuerst von seinen Sünden und dann von seinen Werken. Ich kann mich erinnern, dass es dem sogenannten Bibelraucher Wilhelm Bunz ähnlich erging. Ich kann jeden nur ermutigen, sich seine spannende Lebensgeschichte einmal anzuhören oder sie zu lesen. Nachdem er im Gefängnis ein Bekehrungserlebnis hatte, versuchte er einige Zeit später ein guter Mensch zu sein – bis Gott ihm offenbarte, dass er für den Veränderungsprozess genauso Jesus und seinen Geist brauchte. Wenn wir für die Erlösung ganz und gar Jesus gebraucht haben, dann brauchen wir jetzt für die Werke, die wir tun sollen, ganz und gar seinen Heiligen Geist. Nichts sollen wir aus unserer eigenen Kraft heraus tun.

Haben Sie schon einmal darauf geachtet, dass Jesus bei Kreuzdarstellungen immer mit einem Lendentuch abgebildet wird? Als Jugendliche habe ich gelesen, dass Maria ihren Schleier, in den sie auf dem Kreuzweg ihre zahlreichen Tränen geweint hatte, an der Hinrichtungsstätte Golgotha hergab, damit sich Jesus, der seiner Kleider beraubt worden war, damit bedecken konnte. Dies ist biblisch nicht belegt und bezieht sich auf eine Privatoffenbarung. Wenn dem aber so war, dann könnte dieser Schleier als Lendentuch Jesu repräsentativ für Maria stehen und ausdrücken, dass Maria und somit die Kirche, also Sie und ich, mit Jesus indirekt mitgekreuzigt wurden.[30] Marias Beitrag zur Erlösung war ihre Liebe zu Jesus, ihr Gehorsam und ihre unter großen Schmerzen vergossenen Tränen.

 

Ein kleiner Exkurs: der Lohn für gute Werke

Im Kapitel „Gerecht durch Gnade oder Werke“ wurde zuvor schon beleuchtet, dass unsere Taten für unsere Ewigkeit bei Gott bedeutsam sind. Beim letzten Gericht wird besonderes Augenmerk auf die Werke gelegt: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat“ (2. Kor 5,10). Bemerkenswert ist, dass Jesus uns für die guten Werke einen ewigen Lohn verspricht, sind doch die guten Früchte heilsnotwendig, um am Ende überhaupt Jesu würdig zu sein. Warum gibt es einen Lohn für etwas, das Gott voraussetzt? Der Lohn kann allem Anschein nach nicht der Himmel sein. Den gibt es aufgrund der Verdienste Jesu umsonst. Das ewige Leben ist ein unverdientes und unverdienbares Geschenk Gottes! Was Jesus uns hier verspricht, ist ein Mysterium, das wir erst in der Ewigkeit erkennen werden. Eigentlich erfüllen wir Christen, wenn wir Jesus nachfolgen, doch lediglich unsere Pflicht. Darum sagt Jesus: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17,10). Und dennoch möchte Gott unsere Liebe zu ihm belohnen. Wir haben einen Handlungsspielraum in der Nachfolge. Wir können schlendern oder rennen. Wir können dreißigfache, sechzigfache oder hundertfache Frucht bringen. All das entscheiden letztlich wir selbst durch das Maß unserer Hingabe. Jesus möchte unseren Glauben und unsere Liebe zu ihm anerkennen, obwohl es andererseits nur recht und billig ist, dass wir Gott lieben. Ja, es ist unsere Pflicht. Gottes übergroße Liebe will aber die Liebe seiner Diener zu ihm individuell auszeichnen und belohnen! Wie unfassbar ist das denn?

 

4.    Maria, leiblich in den Himmel aufgenommen – wirst du auch

Das Dogma „leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel“ leitet sich aus dem vorhergehend besprochenen Sachverhalt ab, dass Maria von der Erbsünde bewahrt wurde (sogenannte unbefleckte Empfängnis). Da Maria, wie oben ausgeführt, ohne Sünde war, durfte sie nach ihrem Tod mit ihrem wiederauferweckten Leib in den Himmel eingehen. Auch jeder Gläubige wird, nachdem unser in der Regel verwester Körper auferweckt worden ist, ebenso mit seinem Auferstehungsleib und Seele im Himmel sein.

Nicht alle Christen glauben das. Aber dieses Glaubensgeheimnis ist sehr wichtig. Denn wäre unser Leib später nicht im Himmel, dann wäre die Erlösung nicht vollständig. Außerdem wäre es unfair, wenn wir zwar mit unserem Leib die Folgen der Sünde wie Leid, Krankheit und Tod zu tragen hätten, aber die Freuden der Erlösung in der Ewigkeit nicht genießen dürften. Jesus sagte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann“ (Mt 10,28). Wenn der Leib auferstehen kann, um in die Hölle zu kommen, dann muss er doch gerechterweise auch zum ewigen Leben auferstehen können! Da unser Leib reingewaschen wurde im Blut Jesu, ist er nun ein Tempel des Heiligen Geistes – und das für immer.

 

  • „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ (Röm 8,11)
  • So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen. […] Denn dieses Vergängliche muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. (1. Kor 15, 42-44; 53
  • „Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.“ (Mt 27, 51-53)

 

5.    Maria, im Himmel gekrönt – wirst du auch

Mariä Krönung ist wiederum nicht in der Bibel belegt, sondern lässt sich ebenfalls nur schlussfolgern. Die katholische Kirche feiert das Fest „Maria Königin“ am 22. August. Die Krone Mariens bedeutet keine eigenständige Königsherrschaft, sondern muss man als Teilhabe an der Königsherrschaft Christi auffassen, der unser Haupt ist.

Wie im Kapitel „So wie Christus – so auch du“ erwähnt, sitzen wir gemeinsam mit Jesus auf seinem Thron – Maria, als Repräsentantin der Kirche, selbstverständlich auch.

  

  • „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12,1) 
  • „Wenn dann der oberste Hirt erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“ (1. Petr 5,4). 
  • Paulus schreibt im Hinblick auf seine bevorstehende Krönung: „Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.“ (2. Tim 4,8) 
  • „Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ (Offb 3,21) 



[30] Theologisch und biblisch fundiert wird die Lehre des „mitgekreuzigt Seins“ damit begründet, dass Jesus stellvertretend für uns am Kreuz starb und wir auf seinen Tod getauft wurden (vgl. Gal 2,19; Röm 6,3-6).