Über die Gotteskindschaft 

 

„Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es“ (1. Joh 3,1) – zitiert im Gottesdienst der Priester vor dem Vaterunser aus dem ersten Johannesbrief.


Jesus sprach kurz vor seinem Tod zu seinen Jüngern: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh 20,17). Jesus ist der Gottmensch. Er vereint in sich zwei Naturen: die göttliche und die menschliche. Seine menschliche Natur wurde von Gott erschaffen, Maria ist seine Mutter, und die Zeugung geschah durch den Heiligen Geist. Gott ist ebenso wie bei uns sein Schöpfer. Deshalb sagt er, dass er zu seinem Gott geht. Jesus ist aber nicht nur ganz Mensch, er ist selbst auch ganz Gott. Er ist der Menschensohn, aber zugleich auch Gottes Sohn. Dem großen Glaubensbekenntnis[24] entnehme ich dazu folgende Glaubenslehre: „Und an den einen Herrn, Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.“ 

Der Sohn Gottes, also die Gottheit Jesu, wurde aus dem Vater geboren vor Erschaffung der Welt, vor Erschaffung der Zeit – ganz weit zurück in der Ewigkeit (vgl. Joh 1,18; Joh 3,16-18; 1. Joh 4,9) Hier kommen wir mit unserer menschlichen Logik nicht weiter. Wie kann ein Vater gebären? Wir lesen weiter, dass Jesus von Gott Vater auch gezeugt wurde, in Anlehnung an Psalm 2, Vers 7: „Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt“ (Hebr 1,5). Wie kann Gott gebären und zeugen zugleich? Manche Menschen missverstehen die Gottessohnschaft als einen sexuellen Akt. Das ist sie nicht! Sie ist ein geistiger Akt gewesen, denn Gott ist Geist. 

Zurück zur Geburt aus Gott: Auch Christen sind aus Gott geboren: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die (…) aus Gott geboren sind“ (Joh 1,12 f.). Die Voraussetzung für unsere Gotteskindschaft ist, dass wir an Jesus glauben, das heißt, ihn als unseren Retter und Herrn annehmen und so ein Glied seines Leibes werden. Welche Unterschiede gibt es zwischen der Gotteskindschaft Jesu und unserer? Zunächst einmal wurden Christen durch den Glauben an Jesus während ihrer Erdenzeit von Gott geboren und nicht bereits vor aller Zeit. Wir besitzen zuerst die menschliche Natur und empfangen als Zweites die göttliche Natur, während es bei Jesus umgekehrt war. Außerdem ist die Gottheit Jesu unmittelbar von Gott Vater geboren worden, während wiedergeborene Christen aus der Gottheit Jesu und dem Heiligen Geist geboren wurden und somit Gott erst durch diese Mittlerschaft ihr Vater wird. Aber wenn wir mit Christus im Himmel Hochzeit gefeiert und dadurch auch mit Gott Vater eins geworden sind, ist der Unterschied vermutlich verschwindend gering. Denn am Ende werden wir sogar an der Gottheit Jesu teilhaben. Diese zukünftige Hochzeit feiern wir schon jetzt auf Erden, wenn wir Jesus in der Heiligen Kommunion empfangen oder Christen beim Abendmahl in geistiger Weise sich mit Jesus eins machen. Einige Bibelstellen dazu: 

  • „Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“ (1. Kor 10,16) 
  • „denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.“ (Röm 8,29) 
  • „Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;“ (1. Joh 3,2) 
  • Die Gotteskindschaft ist eine wirkliche, eine reale Gotteskindschaft. Jesus fragte einmal: „Heißt es nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?“ (Joh 10,34). Natürlich dürfen wir uns, wenn wir uns als Götter verstehen, nicht losgelöst von Gott denken! Denn nicht einmal der Sohn Gottes denkt sich losgelöst von Gott Vater! 

 

In einem Gebet zu seinem Vater sagte Jesus: „Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir“ (Joh 17,22 f.). Jesus hat uns dieselbe Herrlichkeit gegeben, die er empfangen hat! Ähnliches schreibt Paulus in seinem Brief an die Römer: „die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht“ (Röm 8,30). Welch eine Auszeichnung, die wir im Glauben annehmen sollen! Wir sind mit Jesus verherrlicht! Dass wir Gott unseren Vater nennen dürfen, so wie Jesus Christus, ist eine unüberbietbare Auszeichnung und hohe Würde: „Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn“ (2. Kor 3,18). 

Zur Herrlichkeit Christi habe ich bei meinen Recherchen ein wichtiges Statement gefunden, das ich unbedingt noch hinzufügen möchte: „Der Vater hat Ihm eine Herrlichkeit gegeben, die Er mit uns teilen wird, aber auch eine Herrlichkeit, die Ihm allein gehört und die wir anschauen werden.“[25] Denn Jesus soll in allem den Vorrang haben (vgl. Kol 1,18). 


[24] Es ist das Glaubensbekenntnis der Katholischen sowie Evangelischen Kirche und hat seinen Ursprung im Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) und dem Konzil von Konstantinopel (381 n. Chr.).
[25] Arend, Remmers: Die Herrlichkeit Christi in Johannes 17, https://www.imglaubenleben.de/2016/die-herrlichkeit-christi-in-johannes-17-4/, CSV (abgerufen am 03.10.2025).