6.    Kreuz,

 Wort,

Name

Bei diesem letzten Abschnitt zum Thema Anbetung möchte ich mich damit beschäftigen, was neben Gott im Glaubensleben noch Gegenstand der Anbetung ist. Normalerweise hätte sich diese Frage erübrigt, denn nur Gott soll und darf angebetet werden (vgl. Offb 22,9). Alles andere ist bekanntlich Götzendienst. Mir ist bewusst, dass dieses Buch nicht nur für Katholiken geschrieben ist und auch, dass katholische Gepflogenheiten ab und an auf Kritik stoßen. Bitte gehen Sie mit mir die nachfolgenden Gedankengänge einmal durch gemäß der Empfehlung: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21). 

Als ich wieder einmal im Gottesdienst den alljährlichen Karfreitagsruf bei der Erhebung und Verehrung des Kreuzes vernahm, beschäftigte mich dieses Thema. Der Priester singt hierbei folgende Worte: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.“ – worauf das Volk erwidert: „Kommt, lasset uns anbeten!“ Nein, es soll hier kein Stück Holz angebetet werden, auch wenn die Kniebeuge jemanden diese Annahme vermuten lassen könnte. Die Kniebeuge vor dem Kruzifix soll allein die Verehrung des Kreuzestodes Jesu zu unserer Erlösung vor ca. 2000 Jahren bekunden. Es stellte sich für mich die Frage, was es mit der Verehrung des Kreuzes und der Leiden Jesu auf sich hat und was das mit Anbetung zu tun hat. Um diese Frage soll es im nächsten Abschnitt gehen, und bitte, legen Sie sich eine Bibel bereit. 

 

6.1.    Das Kreuz Jesu als Gegenstand der Anbetung 

Soll man neben Gott wirklich auch das Kreuz Jesu anbeten? Das Kreuz ist doch Materie. Darf Materie angebetet werden? Natürlich nicht. Man soll den ewigen unerschaffenen Geist, den Schöpfer der Materie anbeten, nicht aber etwas Geschaffenes. Die Schöpfung anzubeten wäre Götzendienst! 

Aber nach katholischer Lehre soll man den Leib Christi anbeten, der zwar materiell, aber zugleich mit der Gottheit Jesu untrennbar verbunden ist[33] und Mittel unserer Erlösung geworden ist. Der Leib Jesu ist anbetungswürdig, da er mit der Gottheit Jesu verbunden und für uns Mittel zum Heil wurde: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt“ (Joh 6,51).[34]

Nach katholischer Lehre wird auch das Blut Jesu angebetet, das mit der Gottheit Jesu verbunden und für uns Mittel zur Erlösung wurde: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,54). Gleiches gilt für die eucharistischen Gaben von Brot und Wein.[35] 

Und wie steht es nun mit dem Kreuz Jesu? Es wurde während der Kreuzigung mit dem teuren Blut Jesu getränkt und ist durch den Kreuzestod unseres Herrn und Erlösers für uns das Zeichen des Heils geworden. Es wurde mit der Gottheit Jesu untrennbar vereint, weil es mit dem Blut Jesu getränkt und mit dem Leib Jesu durch die Annagelung vereinigt wurde. Das Kreuz wurde uns somit Mittel zur Erlösung

Darum heißt es in der Karfreitagsliturgie: „Sei uns gegrüßt, du Heiliges Kreuz“. Das Kreuz Jesu ist heilig, weil der Herr es geheiligt hat. „Seht das Kreuz, an dem unser Herr gehangen, das Heil der Welt – Kommt, lasset uns anbeten!“ Natürlich steht jedes von Menschen gemachte Kreuz nur symbolisch für das Kreuz Jesu. Eine Kniebeuge vor einem Kreuz soll keine Anbetung eben dieses materiellen Gegenstandes bedeuten, sondern nur die Anbetung dessen, was es darstellt. Wenn wir das Kreuz betrachten, dann betrachten wir es nie isoliert, sondern immer mit unserem gekreuzigten Herrn Jesus Christus, der daran gestorben ist. In dem Lied „Seht an das Kreuz“ von Christian Breuers, David Baroni und John Chisum heißt es: „Sein Opfer dort, das er gebracht, hat mir den Kreuzesstamm zum Lebensbaum gemacht.“ Am Kreuz wurde ich neu geboren. Hier wurde ich eine neue Schöpfung zur Ehre Gottes. Hier starb mein alter sündiger Mensch, damit ich als neuer Mensch ein heiliges Leben zur Ehre Gottes führe, frei von der Knechtschaft der Sünde. 

 

Aber Moment: Wurden wir nicht erst bei der Auferstehung Jesu neu geboren? 

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1. Petr 1,3 LUT). Vor vielen Jahren las ich, dass die Kirche aus der Seitenwunde Jesu geboren wurde. Darin liegt auch der Ursprung für die Herz-Jesu-Verehrung begründet. Als der Soldat mit einer Lanze in Jesu Herz stach, war Jesus schon tot, die Schuld war bereits bezahlt. Es steht in der Schrift: „Sofort flossen Blut und Wasser aus der Wunde“ (Joh 19,34 HFA). Der Tod Jesu bewirkte also zwei Dinge: Erlösung und Leben. Das Blut seiner menschlichen Natur bezahlte den Preis für unsere Erlösung, das Wasser seiner göttlichen Natur schenkte uns neues Leben. Deshalb sagte Jesus: „Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3,5). Es sind also beide Aussagen richtig. Wir wurden am Kreuz und durch die Auferstehung Jesu neu geboren. Aber die „Rechtsgrundlage“ für die Auferstehung Jesu liegt in seinem Tod am Kreuz, da er schuldlos starb. 

 

Zurück zum Thema: Dürfen Christen das Kreuz Jesu anbeten? Wenn man die vorhin genannte Definition von Anbetung zu Hilfe nimmt, trifft sie auch beim Kreuz Jesu ins Schwarze: 

 

  • Wir sollen uns tatsächlich vom Kreuz Jesu bestimmen lassen
  • Das Kreuz Jesu ist tatsächlich mein Lebenselixier, meine Kraftquelle, ja Lebensquelle.
  • Und ich soll mich tatsächlich dem Kreuz Jesu leidenschaftlich hingeben

 

Es gilt daher: 

 

 Alles, was mit der Gottheit Jesu untrennbar verbunden ist und zugleich Mittel unserer Erlösung wurde, darf und soll sogar angebetet werden!

 

Die Bedeutung des Kreuzes und des Todes Jesu sollten Christen immer tiefer erfassen. Paulus schreibt: 

  • „Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.“ (1. Kor 2,2) 
  • „sein Tod soll mich prägen.“ (Phil 3,10) 

 

 

6.2.    Das Wort Gottes als Gegenstand der Anbetung 

„Im Übrigen, Brüder, betet für uns, damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch“ (2. Thess 3,1). In der Bibel steht, dass Jesus das Wort Gottes ist (vgl. Joh 1,14). Das Wort Gottes ist ebenso heilsnotwendig

 

  •  Das Wort Gottes schenkt uns Leben

          –   „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4).
          –   „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6,68) 

  • Das Wort Gottes reinigt und heiligt uns

         –    „Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.“ (Joh 15,3) 

         –   „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.“ (Joh 17,17) 

         –   „wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen.“ (Eph 5,25 f.) 

  • Wir sollen Täter des Wortes Gottes sein und Frucht bringen

         –   „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ (Mt 7,24) 

         –   „Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute.“ (Mt 7,26) 

         –   „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. […] wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern
               danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein.“ (Jak 1,22; 25) 

         –   Das Gleichnis von den vier Böden: „Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.“ (Mk 4,3). Als Jesus das Gleichnis seinen Jüngern später erklärte, setzte
               er das Wort Gottes mit Samenkörnern gleich. „Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen,
               dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach“ (Mk 4,20). Es sind die Menschen, die das Wort Gottes in die Tat umsetzen. 

 

Anbeten heißt, wie bereits erwähnt, sich dem Objekt der Anbetung völlig hinzugeben und sich davon bestimmen zu lassen. Das trifft auch auf Gottes Wort zu. Wir sollen uns völlig vom Wort Gottes bestimmen lassen und ihm gehorchen. 


Steht aber nun das Wort Gottes in Konkurrenz zum Kreuz Jesu, durch das wir erlöst wurden? Nein. Denn durch Jesu Tod hat Gott uns von den Ketten der Sünde befreit. Jesus hat uns alle Gnaden zu Füßen gelegt und uns seinen Geist als Helfer verliehen. Jetzt können wir nach Heiligkeit, nach Vollkommenheit streben und Jesus nachfolgen. Um aber das tun zu können, brauchen wir sein Wort, das uns sagt, wie wir leben sollen. So entspricht das Kreuz Jesu der Gnade Gottes, das Wort Jesu aber dem Fruchtbringen, das wir in Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist bewerkstelligen sollen. Unser freier Wille ist hier gefragt und unsere Hingabe an Gottes Willen. 

Im Gleichnis vom Sämann sagt Jesus, dass der ausgestreute Samen für Gottes Wort steht (Lk 8,11). Ziel ist es, dass der Boden, also das menschliche Herz, Frucht hervorbringt. Das Wort Gottes wirkt in uns wie ein Samen, der in uns reift und Gottes Liebe in Form von guten Taten zur Ehre Gottes hervorruft. Ein Mensch, der keine Frucht bringt, hat kein ewiges Leben (vgl. Lk 13,6-9). Somit ist das Wort Gottes in der Tat heilsnotwendig! 

 

6.3.    Der Name „Jesus“ als Gegenstand der Anbetung 

Wir wollen auch hier nach demselben Verfahren vorgehen und prüfen, ob der Name Jesu ebenfalls angebetet werden soll. Wir untersuchen verschiedene Bibelstellen, um zu klären, ob der Name Jesu mit seiner Gottheit untrennbar verbunden und Mittel unserer Erlösung ist. 

Der Name steht für die Person, die den Namen trägt. Bleibt also noch zu klären, ob der Name Jesu uns auch erlöst hat und anbetungswürdig ist. Hier einige Bibelstellen: 


  • Wer an den Namen Jesus glaubt, wird ein Kind Gottes: 

        – „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12).

 

  • Der Name Jesus rettet: 

        –   „Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden
              sollen.“ (Apg 4,12) 

        –   „Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ (Röm 10,13)

  • Im Namen Jesu sollen wir beten: 

        – „Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.“ (Joh 14,13) 

  • Vor dem Namen Jesus beugen sich die Knie:

        – „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
           ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“ (Phil 2,9 f.) 

  • Der Name Jesus ist heilig:

        – „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ (Lk 1,49) 


Der Name Jesus ist mit der Person Jesu Christi untrennbar verbunden und selbst die bloße Anrufung seines Namens rettet. Deshalb soll dem Namen Jesus die höchste Ehre entgegengebracht werden. Und dies ist Anbetung.


[33] Die theologische Begründung der Anbetung von Materie, die mit der Gottheit Jesu untrennbar verbunden ist, liegt in dem Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Das Konzil von Chalkedon verabschiedete 451 n. Chr. die Lehraussage, dass in der Person Jesu Christi die göttliche Natur und die menschliche Natur unvermischt und ungetrennt geeinigt sind. Das ist auch der Grund, warum nach katholischer Lehre Maria nicht nur als Mutter Jesu, sondern auch als Mutter Gottes bezeichnet wird, da man die beiden Naturen nicht voneinander trennen kann. Als Jugendliche habe ich einmal gelesen, dass in Christus göttliche und menschliche Natur Hochzeit gefeiert haben.
[34] Mir ist bekannt, dass es zwischen Abendmahl und der Heiligen Kommunion unterschiedliche Lehrmeinungen gibt. Trotzdem sehe ich letztlich keinen nennenswerten Unterschied, was Sinn und Zweck von Abendmahl und Kommunion anbelangt. Das Ziel von beiden ist die Vereinigung mit Jesus. Die Voraussetzung für diese Einheit ist der Glaube an Jesus und die richtige Lehre. Wenn die Lehre verfälscht ist, sodass der Glaube nicht mehr vorhanden ist, dann kommt es trotz Empfang des Sakramentes nicht zu einer Vereinigung mit Christus. Zuerst muss man mit Christus ein Geist sein, bevor man mit ihm ein Leib werden kann. Der Geist macht lebendig, ein totes Ritual nutzt nichts (vgl. Joh 6,63). Deshalb vertrete ich die Auffassung, dass Christen, die beim Empfang des Abendmahles dankbar an Jesus und seinen für uns erlittenen Kreuzestod denken, mit ihm durch den Glauben eins werden, während Katholiken, die zwar die Heilige Kommunion empfangen, sich aber nichts dabei denken, keine geistlichen Früchte daraus ziehen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Unglaube bei der zweiten Gruppe eher noch zunimmt. „Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt“ (1. Kor 11,29).
[35] Es macht mich sehr traurig anmerken zu müssen, dass Katholiken seit mehreren Jahrzehnten das Blut Christi in Form des konsekrierten Weines bei Feier der Sonntagsmesse in der Regel nicht bekommen. Und das, obwohl es laut Glaubenslehre zur Vergebung unserer Sünden vergossen wurde und Jesus uns sogar auffordert, sein Blut zu trinken! Es ist schlichtweg Ungehorsam, wenn wir nur die Hälfte von dem austeilen, was er uns befohlen hat. In theologischen Kreisen kann man die Meinung hören, dass im Leib Jesu sein Blut ohnehin schon enthalten wäre. Man würde es sonst quasi doppelt zu sich nehmen.Ich möchte zu dieser Ansicht gerne Stellung nehmen: Zunächst einmal glaube ich, dass Jesus keine Fehler gemacht hat, als er im Abendmahlsaal den Auftrag erteilte: „Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes“ (Mt 26,26 f.). Wenn die Kirche die Kirche Jesu Christi sein und Segen erben will, muss sie Jesus gehorchen und das vollständig. In der Bibel steht, dass Jesus sein Blut restlos für uns vergossen hat. Leib und Blut wurden bei der Kreuzigung vollständig voneinander getrennt. Als der Soldat mit einer Lanze in Jesu Herz stieß, floss der letzte Tropfen Blut heraus. Somit enthielt der Leib Jesu kein Blut mehr. Als Jesus von den Toten auferstanden war, erschien er seinen Jüngern mit seinen ewiglich bleibenden Wundmalen (Löcher an Händen, Füßen und an der Seite) und sagte: „Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“ (Lk 24,39). Er sagte nicht: „Kein Geist hat Fleisch und Blut, wie ihr es bei mir seht!“ Wer behauptet, der Auferstandene benötige noch einen zirkulierenden Blutkreislauf und meint, Jesus hätte sein geopfertes Blut vom Altar wieder an sich genommen, muss dazu einen biblisch fundierten Beleg liefern. Wäre es nicht fatal, wenn Katholiken seit Jahrzehnten das Blut Christi vorenthalten wird, welches doch der Kaufpreis ihrer Erlösung war? „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,54). Er „bleibt in mir und ich bleibe in ihm“ (Joh 6,56).