Über das Fehlen der Taufe
Lasst mich folgendes Problem anhand eines Vergleichs erklären:
Ich habe jetzt eine Frage an Ehepaare, die in einer guten Beziehung leben:
Warum sind Sie verheiratet?
(Bitte erst überlegen und dann weiterlesen.)
Nun, da könnte es viele Antworten darauf geben ...
Manch einer wird sagen, weil wir uns am Hochzeitstag das Jawort gegeben haben. Das ist zwar richtig, greift aber zu kurz. Denn viele Menschen haben sich einmal das Jawort gegeben, leben aber nicht mehr zusammen.
Manch einer wird sagen, weil wir uns lieben. Das trifft es schon besser. Ihr seid zusammen, weil ihr euer Jawort lebt – und zwar täglich. Genauso ist es mit der Taufe. Wir sind keine Christen, weil wir vor vielen Jahren einmal getauft wurden, sondern weil wir Christus lieben und die Taufe leben – jeden Tag.
Viele Christen meinen, sie würden ihr Christsein leben. Sie wurden als Säuglinge getauft. Sie glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist und für sie gestorben ist, und sie gehen in den Gottesdienst. Was fehlt?
Eine ganze Menge, und zwar das Entscheidende! Es fehlt zum einen die persönliche freie Entscheidung, Jesus als seinen Erlöser anzunehmen. Gott zwingt niemanden, in eine persönliche Beziehung zu ihm zu treten. Ohne dein freiwilliges Jawort zu Jesus ist die Taufe nicht vollzogen, sondern bleibt lediglich ein Familienfest mit Kuchen und Geschenken.
Wenn aber Jesus Ihr Erlöser ist, muss das Konsequenzen haben. Sind Sie sich bewusst, dass Gott Mensch wurde und für meine und Ihre Erlösung große Schmerzen erlitten hat? Sein Blut und sein Leben waren der Kaufpreis der Erlösung. „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Wenn Sie Jesus als Ihren Erlöser angenommen haben, gehören Sie ab sofort nicht mehr sich selbst, sondern ihm. Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an die Korinther: „Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde.“ (2. Kor 5,14 f.)
Jesus ist ab jetzt Ihr Herr und Gebieter. Er ist das Haupt, und Sie sind ein Glied seines Leibes. Er ist Ihr Meister. Das bedeutet, dass Sie von ihm lernen und ihn in seinem ganzen Wesen nachzuahmen bestrebt sind.
Es fehlt also in der traditionellen Amtskirche meine persönliche freie Entscheidung für Jesus Christus als meinen Erlöser und die daraus resultierende Lebensübergabe und die Abkehr von den eigenen Wegen.
Leider verbindet man heutzutage mit der traditionellen Taufe der Amtskirchen nicht mehr die Umkehr zu Gott, sondern die Geburt eines Kindes, die Feier einer Namensgebung oder allenfalls noch die Hinwendung Gottes zu uns Menschen mit der Bitte um seinen Schutz und Segen. So ist es beispielsweise üblich, auch Schiffe zu taufen, um ihnen einen Namen zu geben und ihnen Glück auf ihrer Fahrt zu wünschen. Aber in Wahrheit ist die Taufe etwas ganz anderes. Sie ist der Masterplan zur Erlösung der Menschen. Jesus sagte: „Ich muss mit einer Taufe getauft werden und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.“ (Lk 12,50) Wir wissen, dass Jesus zu diesem Zeitpunkt bereits von Johannes dem Täufer die Taufe zur Umkehr empfangen hatte. Aber sie war nur eine Vorbereitung für die eigentliche Taufe, die die Umkehr miteinschließt, aber darüber hinaus noch weit mehr ist. Jesus meinte sein bevorstehendes Sterben für die Sünden der Menschen und seine darauffolgende Auferstehung. Taufe bedeutet also, dass unser altes sündiges Ich mit Christus gestorben ist und dass wir als neue Menschen unser Leben jetzt für Gott leben, und zwar als Heilige beziehungsweise Geheiligte. Die Namensgebung, die mit der Taufe verbunden wird, rührt daher, dass Menschen so radikal ihr Leben geändert haben, dass sie sich einen neuen Namen zugelegt haben. So wurde aus dem Christenverfolger Saulus ein Christusverkünder Paulus. Ein neuer Name bedeutet folglich ein neues Leben, eine Wiedergeburt.
Als Jesus sich mit dem Pharisäer Nikodemus, heute würde man ihn einen Theologen nennen, über die Taufe unterhielt, sprach er über tiefe Glaubensgeheimnisse: „Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. (…) Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ (Joh 3,5-7) Das Wasser ist ein starkes biblisches Bild und symbolisiert das Wasser der Taufe. Dieses wiederum steht für das Wasser aus der Seitenwunde Jesu. Jesus weist darauf hin, dass die Wiedergeburt eine Geburt in zwei Abschnitten ist: Sie ist das Werk Jesu (Wasser aus seiner Seitenwunde) und das Werk des Heiligen Geistes, der dritten göttlichen Person der Dreifaltigkeit und unseres Heiligmachers. [7]
Die Wiedergeburt geschieht, wenn wir aufgrund unseres Glaubens an Christus die Taufe empfangen: Wir sind dann mit Christus gestorben und mit ihm bereits von den Toten auferstanden. Das gilt jetzt schon in geistiger Hinsicht. „Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“ (Röm 6,8) Viele Menschen wollen in den Himmel. Sie wollen mit Jesus auferstehen. Aber sie wollen nicht mit Jesus sterben. Sie kreuzigen ihren alten sündhaften Menschen nicht. „Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet“ (Hebr 12,4). Die Sache ist die, dass wir nur ein Anrecht auf ewiges Leben haben, wenn wir Christus gleichgestaltet sind in seinem Tod: „Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ (Röm 6,5)
Deshalb darf ich nun als ein wiedergeborener Christ nicht mehr für mich selber leben, sondern für Jesus. Ich muss mich bemühen, ihm von ganzem Herzen nachzufolgen. Jesus ist ab diesem Zeitpunkt mein Lehrer, mein Hirte und mein Gott. Ich bin sein Jünger (d. h. sein Lehrling) und sein Schäfchen. Nicht mehr ich bestimme über mich, sondern Jesus. Christusnachfolge ist also keine Option, die ich als Christ machen kann oder auch nicht. Einige Christen sind der Meinung, dass sie Jesus nachfolgen können, es aber nicht müssen. Diejenigen, die Jesus nachfolgen und nach Heiligkeit streben, wären die großen Heiligen. Die anderen Christen wären demnach kleine Heilige. Man gewinnt den Eindruck, man könne Erlösung empfangen, aber dennoch derselbe Mensch bleiben, der man vorher war. Man kann sich aber nicht von Jesus freikaufen lassen zu einem heiligen Leben, frei von der Sklaverei der Sünde (vgl. Gal 5,1), und trotzdem nach wie vor ein selbstbestimmtes Leben führen ohne Gebet, Buße, Umkehr und Heiligung. Paulus fragt in seinem Brief an die Römer: „Heißt das nun, dass wir sündigen dürfen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!“ (Röm 6,15) Und Jesus sagt: „Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.“ (Joh 15,8)
Unser alter sündhafter Mensch ist mit Jesus mitgekreuzigt worden, damit wir jetzt, nachdem Jesus uns geheiligt hat, als Heilige leben. Daran erinnert uns jedes Kreuzzeichen, mit dem wir uns bekreuzigen.
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Gebet:
Sie können nun so oder mit Ihren eigenen Worten beten. Wichtig ist nur, dass das Gebet von Herzen kommt, das heißt, dass Sie auch meinen, was Sie sagen:
Herr Jesus, ich glaube, dass du Gottes Sohn bist und für meine Sünden ans Kreuz gegangen bist. Ich danke dir für alles, was du für meine Erlösung getan und gelitten hast und nehme es für mich an. Ich danke dir für dein kostbares Blut, das du für mich vergossen hast. Vergib mir, dass ich dich oft nicht beachtet habe und auf meinen eigenen Wegen gegangen bin. Ich gebe dir alle meine Sünden und empfange stattdessen deine Gerechtigkeit! Bitte lass dein Leiden und Sterben in meinem Leben reiche Frucht bringen. Hilf mir, dass ich dir nachfolge, wie du es von mir willst. Lass mich von heute an in deinem Willen leben. Erfülle mich mit deinem Heiligen Geist. Komm, Heiliger Geist, und lehre mich beten. Führe mich in die ganze Wahrheit, wie Jesus es uns versprochen hat (vgl. Joh 16,13). Erkläre mir die Heilige Schrift und schenke mir eine tiefe Liebe zu Jesus, zum Vater und zu dir. Heile auch meine Beziehungen. Ich will jedem Menschen (jedem einzelnen) vergeben, der mich verletzt hat, weil auch du, Jesus, mir alles vergeben hast. Segne die Menschen, die mich verletzt haben und lass sie dich ebenfalls finden. Amen.
[7] Wasser steht in der Bibel häufig auch für den Heiligen Geist: „Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben;“ (Joh 7,38 f.) Als Moses auf Gottes Befehl gegen den Felsen schlug und Wasser herausfloss (vgl. Ex 17,5-6), begegnet uns ein ähnliches Bild: Jesus Christus ist der Fels, aus dem Ströme lebendigen Wassers fließen. Auch hier symbolisiert Wasser den Heiligen Geist. Bei dem Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen bezieht sich Jesus mit dem lebendigen Wasser ebenfalls auf den Geist Gottes, als er zu ihr sagt: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ (Joh 4,10).An einer anderen Stelle bedeutet Wasser Gottes Wort: „liebt […], wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, indem er sie reinigte im Wasserbad durch das Wort.“ (Eph 5,25 EU 2016) Am Abend des Gründonnerstags wies Jesus auf die reinigende Wirkung seines Wortes hin. Er sagte zu seinen Jüngern: „Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.“ (Joh 15,3) Das Wasser kann auch Jesus selbst repräsentieren, da er das Wort Gottes in Person ist. In allen diesen Fällen steht Wasser in der Bibel für Gott.